/ Oktober 21, 2018/ Thema der Woche

Fleisch ist mein Gemüse– dieses überspitzt dargestellte Sprichwort trifft wohl auf die Wenigsten von uns zu.
Der Kern trifft jedoch einen wahren Nerv. Fleisch ist für viele Menschen zu einem Massenkonsumprodukt geworden und das zum Teil unbewusst. Täglich essen wir mindesten eine Mahlzeit mit Fleisch, sei es das Wurstbrot zum Frühstück oder die Currywurst zum Mittag.
Gerade wenn man eine Familie ernähren muss, Student ist oder aus anderen Gründen mit seinem Geld haushalten muss, vergleicht man Preise und greift zu den günstigeren Produkten- gerne beim Discounter.
Denn: Biofleisch ist für den Ottonormalverbraucher zu teuer- doch stimmt das wirklich so?

Was ist, wenn wir einen Schritt zurücktreten und nicht den Preis des Fleisches betrachten, sondern die Quantität, in der wir es konsumieren.
Um der hohen Nachfrage der Bevölkerung gerecht zu werden, muss natürlich das „Produkt“ in großer Form produziert werden. Kurz gesagt, um alle Menschen bedienen zu können braucht es die Massentierhaltung. Unter dieser leiden Tiere und Umwelt ungemein.
Jeder ist sich dessen bewusst, viele verschließen dennoch die Augen davor. Es wird uns ja auch einfach gemacht: Wir müssen nicht das lebendige Wesen sehen, wir halten nur das bereits fertige Produkt in den Händen. Wenn sich doch kurz unser Gewissen regt, suggeriert uns die Werbung auf der Verpackung, in Form von vielen Qualitäts- und Gütesiegeln, dass wir uns nicht schlecht zu fühlen brauchen.
Doch was macht der Massenkonsum von Fleisch eigentlich mit uns?
Abgesehen davon, dass es ungesund ist, geht uns der fundamentalste Gedanke der Nahrungsaufnahme verloren: das bewusste Genießen.
Wir müssen nicht alle zu Vegetariern oder Veganern werden, es reicht schon, wenn wir das Verzehren von Fleisch auf ein- bis zweimal pro Woche reduzieren. Denn dann ist auch das Biofleisch in Relation nicht mehr zu teuer und wir tun uns selbst, der Umwelt und den Tieren Gutes.

Doch wie kann man das Bewusstsein der Menschen erreichen und nachhaltig etwas im Denken verändern?
Wir gehen alle den Weg des geringsten Widerstandes und sind Gewohnheitstiere. Aggressive Bilder und Videos, wie viele Aktivisten sie verbreiten, sind meiner Meinung nach nicht der richtige Ansatz.
Zum einen sind wir durch tägliche Gewaltdarstellungen bereits abgestumpft und zum anderen können medial verbreitete Bilder uns zwar bis zu einem gewissen Grad emotional nachempfinden lassen, jedoch nicht so sehr, wie real erlebte und prozessierte Erfahrungen.

Deswegen bin ich der Meinung, dass man die Menschen ermutigen sollte, mindestens einmal in ihrem Leben einer Schlachtung beizuwohnen. Ein Tier zu begleiten und dessen Tod zu entscheiden ist etwas ganz anderes, als es distanziert auf einem Bildschirm zu sehen.
Wenn man danach weiterhin Fleisch konsumieren möchte, hat man ein ganz anderes Denken und Bewusstsein für den Umgang mit dieser „Ware“.
Zum Leben gehört der Tod dazu, uns vor der Realität schützen zu wollen, macht keinen Sinn.
Ich selbst habe mehreren Schlachtungen beigewohnt und war jedes Mal sehr berührt, wie sachlich und emotional zugleich der Akt von statten gegangen ist. Auf der einen Seite steht der Nutzen, auf der anderen das Tier, zu dem man eine Beziehung aufgebaut hat.

Durch Veränderung unseres eigenen Verhaltens können wir dazu beitragen, dass das Töten eines Tieres wieder Sinnhaftigkeit erhält und das Schlachtungen so ethisch und würdevoll wie möglich stattfinden können. Unterstützt regionale Betriebe, holt euer Fleisch vom Schlachter und informiert euch darüber, woher das Fleisch kommt.
Und am wichtigsten, reduziert den Konsum und steigert damit den Wert des Tieres, welches für euch gestorben ist.

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